Die digitale Welt der Geodaten – GeoBusinessCONGRESS


„Ich bin für mehr spannende Innovationen mit staatlichen Geodaten made in Germany „, mit diesen Worten hat die Parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypries am 15.April den GeoBusinessCONGRESS in Berlin eröffnet. Sie sprach sich für mehr freie staatliche Geodaten aus, machte jedoch auch klar, dass durch die föderalen Strukturen und die auf 16 Bundesländer verteilte Zuständigkeit dieser Wunsch nicht einfach zu erfüllen ist. Auf der anderen Seite verwies Frau Zypries auf das Copernicus Programm der Europäischen Kommission, bei dem die Daten für jeden frei zugänglich sind.

Brigitte Zypries bei ihrer Keynote

Brigitte Zypries bei ihrer Keynote

Die rund 200 Teilnehmer aus Wirtschaft, Forschung, Verwaltung und Startups konnten dann in einem Impulsvortrag von Herr Wuttke (wuttke geogroup) seine Erfolgsgeschichte als Unternehmer in der Geobranche verfolgen. Im Talk am Morgen sprach der Moderator Andreas Mann mit Dr. Goerdeler (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) , Dr. Thiel (Bundesministerium des Innern, Dorothea Utzt (Gründerin und Vorsitzende des Dachverbandes Deutscher Startups) und Detlef Wuttke über Geodaten in der Wirtschaft. Es wurde aufgezeigt, dass zwar nur relativ wenige Startups ihre Geschäftsmodell komplett auf Geodaten ausgerichtet haben, eine Nutzung dieser Daten im Geschäftsprozess jedoch für die meisten wichtig ist. Auch hier zeigte sich die Unzufriedenheit mit der öffentlichen Bereitstellung von staatlichen Geodaten in Deutschland. Zum einen sind die Daten nicht harmonisiert, das heißt jedes Bundesland hat seine eigene Politik in dieser Frage und die Daten werden nicht in einem Einheitlichen System zur Verfügung gestellt. Es wurde ausgeführt, dass es zwar funktioniert für kleinere Gebiete (meist auf Länderebene) öffentliche Daten zu erhalten, für die wirtschaftliche Anwendung ist in der Regel jedoch die Bundesweite Abdeckung unerlässlich und hier stößt man sehr schnell an die Grenzen des Machbaren. Die Vertreter der Ministerien betonten die vielen Bemühungen die in diesem Bereich unternommene werden, konnten jedoch nicht verhehlen, dass Fortschritte nur sehr langsam zu erreichen sind.

Nach den einleitenden Vorträgen und dem Talk wurde das Plenum aufgeteilt und es wurde in zwei parallelen Workshops gearbeitet. Ein „Workshop für Einsteiger“ beschäftigte sich mit dem Thema „Geodaten auch für mein Unternehmen? Chancen erkennen und nutzen“ und wurde von Frau Christina Harland geleitet. Der zweite „Workshop für Kenner“ hatte das Thema „Geodaten in der Praxis“ und wurde von Frau Prof. Dr. Ulrike Klein moderiert. Ich möchte mich an dieser Stelle auf den von mir besuchten, zweiten Workshop beschränken.

Das Ziel des Workshops war es herauszuarbeiten, warum Unternehmen Geodaten nutzen sollen. Zunächst stellten zwei Startups ihre auf Geodaten beruhenden Geschäftsmodelle von. Frau Stephanie Zankl zeigte ihre Lösung „enziano – ein interaktiver Outdoorführer …“ der die klassischen Wander- und Kletterführer in die digitale Welt bringt und so unterwegs am Smartphone oder Tablet nutzbar macht. Lars Leithoff von der QLX GmbH stellte seine Lösung für die Planung von Infrastrukturanlagen in einer interaktiven 3D Umgebung vor. Die Grundlage für das System bildet eine Engine die aus der Spieleentwicklung stammt und für eine präzise 3D Planungsanwendung angepasst wurde. Trassen können in dem System sehr einfach direkt in der 3D Umgebung geplant werden und die daraus resultierenden Aufwands- und Kostenabschätzungen direkt generiert werden. Auch kann man die Auswirkungen der Planung direkt sehen. Für das behördliche Genehmigungsverfahren werden die klassischen Pläne automatisch generiert.

Im Anschluss stellte Herr Lars Schmitz von der ESRI Deutschland ein Programm zur Förderung von Gründern aus dem Hause ESRI vor. Für qualifizierte Startups stellt ESRI 3 Jahre Software und Services kostenlos zur Verfügung und bietet den Unternehmen eine Plattform ihre auf ESRI Technologie aufbauende Lösung zu vermarkten. Einen Workshop mit Produkten und Daten aus der Welt der Open Source Gemeinde lieferte Stafan Giese. Er zeigte die Entwicklung der Open Street Map Daten am Beispiel Berlin und führte in einem Workshop durch ein mögliches Anwendungsszenarium am Beispiel von Daten aus Berlin. Hier wurde gezeigt, dass mit QGIS eine Leistungsfähiges kostenloses GIS zur Verfügung steht und Berlin mit seiner Open Data Politik Vorreiter für andere Bundesländer sein sollte. Den Abschluss des Workshops machte Thorsten Flentje von HERE. Er zeigte auf was es für Möglichkeiten der Nutzung von hochpräzisen und verlässlichen Geodaten im professionellen Umfeld gibt. So werden hochpräzise Straßendaten inzwischen für die intelligente Steuerung von Autoscheinwerfern eingesetzt oder durch sinnvolle Attributierung in den Straßendaten können intelligente Navigationssysteme für LKW-Flotten bereitgestellt werden die den LKW Verkehr nur auf die Strecken führen die für das jeweilige Fahrzeug geeignet sind.

In der abschließenden Diskussion zeigte es sich, dass die Frage warum Unternehmen Geodaten nutzen sollen rhetorischer Natur sind. Es eher heißen muss wie die Unternehmen Geodaten einsetzen sollen und welche Daten für das jeweilige Unternehmen sinnvoll sind. Auch der Aspekt der Qualität der Daten wurde als sehr wichtig herausgestellt. Im professionellen Umfeld muss man sich zu 100% auf die Daten verlassen können, freie Daten sind somit häufig nicht geeignet, staatliche Daten stehen nicht gut genug zur Verfügung, es muss also auf kommerzielle Daten zurückgegriffen werden. Wodurch Geodaten ein nicht unerheblicher Kostenfaktor sind. Es ist allerdings auch akzeptiert, dass Qualität Geld kostet. Gefragt sind Lizenzmodelle, die es kleinen bzw. neuen Unternehmen ermöglichen im der Aufbauphase günstig an die Daten heran kommen zu können und erst dann mehr bezahlen zu müssen wenn auch entsprechend Geld verdient wird.

Insgesamt war der GeoBusinessCONGRESS eine gelungene Veranstaltung mit interessanten Vortragenden und einer guten Mischung an Teilnehmern. Die Organisation und die Räumlichkeiten waren ausgezeichnet, man hätte sich nur etwas mehr Zeit für das Networking gewünscht.

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